Thema: Gedichte: Reformationszeit

Gedichte aus der Reformationszeit: Heß, Martin Luther, Heermann, Rinckart

Johann Heß


O Welt, ich muß dich lassen,
Ich fahr dahin mein Straßen
Ins ewig Vaterland;
Mein Geist will ich aufgeben,
Darzu mein Leib und Leben
Setzen in Gottes Hand.

Mein Zeit ist nun vollendet,
Der Tod das Leben schändet,
Sterben ist mein Gewinn:
Kein Bleiben ist auf Erden,
Das Ewig muß mir werden,
Mit Fried ich fahr dahin.

Ob mich gleich hat betrogen
Die Welt, von Gott abzogen
Durch Schand und Büberei:
Will ich doch nit verzagen,
Sondern mit Glauben sagen,
Daß mir vergeben sei.

 

(* 23.09.1490 in Nürnberg | † 05.01. 1547 in Breslau)

Martin Luther – Das ewige Wort ward Fleisch


1 Am Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott,
und Gott war das Wort.
2 Dasselbe war im Anfang bei Gott.
3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht,
und ohne dasselbe ist nichts gemacht,
was gemacht ist.
4 In ihm war das Leben,
und das Leben war das Licht der Menschen.
5 Und das Licht scheint in die Finsternis,
und die Finsternis hat’s nicht begriffen.

9 Das war das wahrhaftige Licht,
welches alle Menschen erleuchtet,
die in diese Welt kommen.
10 Es war in der Welt,
und die Welt ist durch dasselbe gemacht;
und die Welt kannte es nicht.
11 Er kam in sein Eigentum;
und die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12 Wie viele ihn aber aufnahmen,
denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden,
die an seinen Namen glauben.

14 Und das Wort ward Fleisch
und wohnte unter uns,
und wir sahen seine Herrlichkeit,
eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes
vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
16 Und von seiner Fülle haben wir alle genommen
Gnade um Gnade.
18 Niemand hat Gott je gesehen;
der eingeborne Sohn,
der in des Vaters Schoß ist,
der hat es uns verkündigt.

(aus Jh 1, 1 – 18)


(* 10.11.1483 in Eisleben | † 18.02.1546 in Eisleben)

Martin Rinckart – Loblied



Nun danket alle Gott
Mit Herzen, Mund und Händen,
Der große Dinge tut
An uns und allen Enden,
Der uns von Mutterleib
Und Kindesbeinen an
Unzählig viel zu gut
Und noch jetzund getan.

Der ewig reiche Gott
Woll uns bei unserm Leben
Ein immer fröhlich Herz
Und edlen Frieden geben
Und uns in seiner Gnad
Erhalten fort und fort
Und uns aus aller Not
Erlösen hier und dort.

Lob, Ehr und Preis sei Gott,
Dem Vater und dem Sohne
Und dem, der beiden gleich
Im höchsten Himmelsthrone:
Dem dreimal Einen Gott,
Als der ursprünglich war
Und ist und bleiben wird
Jetzund und immerdar.


(* 23.04.1586 in Eilenburg | † 08.12.1649 in Eilenburg)