Thema: Gedichte: 20. Jahrhundert

Gedichte aus dem 20. Jahrhundert: Richard Dehmel, Hartleben, Max Dauthendey, Richard Beer-Hofmann, Stefan George, Hugo von Hoffmannsthal, Kraus, Rilke, Binding, Huch, Lulu von Strauß und Torney, Agnes Miegel, Münchhausen, Hesse, Schröder, Hans Carossa, Seidel, Georg Heym, Georg Trakl, Schnack, Georg Britting, Josef Weinheber, Bergengruen, Usinger, Bertolt Brecht, Kolmar, Lasker-Schüler, Brambach, Günter Eich, Paul Celan, Dietrich Bonhoeffer, Schaefer, Max Kommerell, Karl Krolow, Gottfried Benn, Holthusen, v. d. Vring, Ingeborg Bachmann, Marie-Luise Kaschnitz

Gedichte 20. Jahrhundert – Urheberrecht 4/5

 

Die folgenden Dichterinnen und Dichter, die mein Vater in das 20. Jahrhundert eingeordnet hat, fallen unter das Urheberrecht. Laut Urheberrecht darf ein Autor erst 70 Jahre nach seinem Tod frei zitiert werden. Damit darf ich nach geltendem Recht diese Gedichte nicht ins Netz stellen. Ich persönlich finde diese Regelung nicht nur zum Vorteil der Autoren. Diese Praxis führt dazu, dass sie im Internet erheblich weniger auffindbar sind und folglich sehr viel leichter in Vergessenheit geraten.

Wer mir Hinweise zur Rechtslage speziell für diese Autoren/Autorinnen geben kann oder sonstwie weiterhelfen mag, nehme bitte Kontakt mit mir auf.

Um aber die Sammlung meines Vaters (bzw. seine chronologische Reihenfolge) nicht zu zerstören und zumindest die Gedichte und ihre Autoren/Autorinnen zu nennen, habe ich diese Übersichtsseite eingefügt.

 

Rainer Brambach († 1983)
   Niemand wird kommen

Günter Eich († 1972)
   Inventur

Paul Celan († 1970)
   Todesfuge
   Sprachgitter

 

Dietrich Bonhoeffer – Von guten Mächten

 

Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last,
ach, Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen
das Heil, für das Du uns bereitet hast.

Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus Deiner guten und geliebten Hand.

Doch willst Du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört Dir unser Leben ganz.

Laß warm und still die Kerzen heute flammen,
die Du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

 

(* 04.02.1906 in Breslau | † 09.04.1945 im KZ Flossenbürg)

 

Max Kommerell – Einem Kind zu einer Puppe

 

Wiege, Kind, das wunderbare
Wesen, das im Arm du hast!
Ohne Leben scheint es fast
Mit dem aufgeklebten Haare.
Auf den Wangen die zwei Streife
Grellen Rots sind reichlich kühn …
Nur das Kleid mit weißer Schleife
Ist wie deines, hell und grün.

Wichtiges ist jetzt zu tun:
Ihm ein wenig Brei zu reichen,
Kleines Kissen glattzustreichen.
Es will essen, es will ruhn.
Manchmal freilich nippt es bloß,
Statt daß es den Teller rein ißt …
Doch bedenk, daß es noch klein ist,
Und du selber bist schon groß!

Schau, es läßt sich besser an!
Setz das Ding nur auf und nieder –
Wie es da die Augenlider
Öffnen schon und schließen kann!
Jedes Spiel, das du gespielt,
Bring ihm bei, und die Befehle
Gib ihm, die man dir befiehlt,
Bis es lebt mit deiner Seele,

Bis es lacht und weint wie du!
Wie du’s wiegst in deinem Schoße,
Wirst du selber, wirst im Nu,
Eh du’s dachtest, eine große
Lächelnde und ernste Frau.
Es schlägt Augen auf wie deine:
Zweier süßer Edelsteine
Unerschöpflich tiefes Blau!

 

(* 04.02.1906 in Breslau | † 09.04.1945 im KZ Flossenbürg)

 

Gedichte 20. Jahrhundert – Urheberrecht 5/5

 

Die folgenden Dichterinnen und Dichter, die mein Vater in das 20. Jahrhundert eingeordnet hat, fallen unter das Urheberrecht. Laut Urheberrecht darf ein Autor erst 70 Jahre nach seinem Tod frei zitiert werden. Damit darf ich nach geltendem Recht diese Gedichte nicht ins Netz stellen. Ich persönlich finde diese Regelung nicht nur zum Vorteil der Autoren. Diese Praxis führt dazu, dass sie im Internet erheblich weniger auffindbar sind und folglich sehr viel leichter in Vergessenheit geraten.

Wer mir Hinweise zur Rechtslage speziell für diese Autoren/Autorinnen geben kann oder sonstwie weiterhelfen mag, nehme bitte Kontakt mit mir auf.

Um aber die Sammlung meines Vaters (bzw. seine chronologische Reihenfolge) nicht zu zerstören und zumindest die Gedichte und ihre Autoren/Autorinnen zu nennen, habe ich diese Übersichtsseite eingefügt.

 

Karl Krolow († 1999)
   Sommer eines Knaben

Gottfried Benn († 1956)
   Astern
   Viele Herbste
   Fragmente
   Reisen
   Ein Wort

Hans Egon Holthusen († 1997)
   Der Morgen

Georg von der Vring († 1968)
   Nachtstunde

Ingeborg Bachmann († 1973)
   Nebelland
   Reklame

Marie-Luise Kaschnitz († 1974)
   Genazzano
   Nicht gesagt

 

Richard Dehmel – Manche Nacht


Wenn die Felder sich verdunkeln,
Fühl ich, wird mein Auge heller;
Schon versucht ein Stern zu funkeln,
Und die Grillen wispern schneller.

Jeder Laut wird bilderreicher,
Das Gewohnte sonderbarer,
Hinterm Wald der Himmel bleicher,
Jeder Wipfel hebt sich klarer.

Und du merkst es nicht im Schreiten,
Wie das Licht verhundertfältigt
Sich entringt den Dunkelheiten.
Plötzlich stehst du überwältigt.


(* 18.11.1863 in Wendisch-Hermsdorf (Brandenburg) | † 08.02.1920 in Hamburg)


Otto Erich Hartleben – Gesang des Lebens


Groß ist das Leben und reich!
Ewige Götter schenkten es uns,
Lächelnder Güte voll,
Uns, den Sterblichen, Freudegeschaffenen.

Aber arm ist des Menschen Herz!
Schnell verzagt, vergißt es der reifenden Früchte.
Immer wieder mit leeren Händen
Sitzt der Bettler an staubiger Straße,
Drauf das Glück mit den tönenden Rädern
Leuchtend vorbeifuhr.


(* 03.06.1864 in Clausthal-Zellerfeld | † 11.02.1905 in Salo am Gardasee)


Max Dauthendey – O Grille, sing


O Grille, sing,
Die Nacht ist lang.
Ich weiß nicht, ob ich leben darf
Bis an das End von deinem Sang.

Die Fenster stehen aufgemacht.
Ich weiß nicht, ob ich schauen darf
Bis an das End von dieser Nacht.

O Grille, sing, sing unbedacht,
Die Lust geht hin,
Und Leid erwacht.
Und Lust im Leid, –
Mehr bringt sie nicht, die lange Nacht.


(* 25.07.1867 in Würzburg | † 29.08.1918 in Malang/Java)


Richard Beer-Hofmann – Schlaflied für Mirjam

 

Schlaf mein Kind – schlaf, es ist spät!
Sieh wie die Sonne zur Ruhe dort geht,
Hinter den Bergen stirbt sie im Rot.
Du – du weißt nichts von Sonne und Tod,
Wendest die Augen zum Licht und zum Schein –
Schlaf, es sind soviel Sonnen noch dein,
Schlaf mein Kind – mein Kind, schlaf ein!

Schlaf mein Kind – der Abendwind weht.
Weiß man, woher er kommt, wohin er geht?
Dunkel, verborgen die Wege hier sind,
Dir, und auch mir, und uns allen, mein Kind!
Blinde, so gehn wir und gehen allein,
Keiner kann Keinem Gefährte hier sein –
Schlaf mein Kind – mein Kind, schlaf ein!

Schlaf mein Kind und horch nicht auf mich!
Sinn hat´s für mich nur, und Schall ist’s für dich.
Schall nur, wie Windeswehn, Wassergerinn,
Worte – vielleicht eines Lebens Gewinn!
Was ich gewonnen gräbt mit mir man ein,
Keiner kann Keinem ein Erbe hier sein –
Schlaf mein Kind – mein Kind, schlaf ein!

Schläfst du, Mirjam? – Mirjam, mein Kind,
Ufer nur sind wir, und tief in uns rinnt
Blut von Gewesenen – zu Kommenden rollt’s,
Blut unsrer Väter, voll Unruh und Stolz.
I n uns sind A l l e. Wer fühlt sich allein?
Du bist ihr Leben – ihr Leben ist dein – –
Mirjam, mein Leben, mein Kind – schlaf ein!

 

(* 11.07.1886 in Wien | † 26.09.1945 in New York )

Stefan George – Komm in den totgesagten park und schau


Komm in den totgesagten park und schau:
Der schimmer ferner lächelnder gestade •
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.

Dort nimm das tiefe gelb • das weiche grau
Von birken und von buchs • der wind ist lau •
Die späten rosen welkten noch nicht ganz •
Erlese küsse sie und flicht den kranz •

Vergiss auch diese letzten astern nicht •
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.


(* 12.07.1868 in Büdesheim | † 04.12.1933 in Locarno)